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Etsy und Umsatzsteuer: Was Sie als Shop-Inhaber wirklich wissen müssen

  • Autorenbild: Johannes Riedl
    Johannes Riedl
  • vor 2 Stunden
  • 6 Min. Lesezeit

Sie verkaufen auf Etsy – und plötzlich taucht das Wort "Umsatzsteuer" auf. Was jetzt? Keine Panik. In diesem Artikel erkläre ich Ihnen, was es damit auf sich hat, wann Sie überhaupt Umsatzsteuer zahlen müssen – und was Sie jetzt konkret tun sollten.


Hinweis: Dieser Artikel ist als vereinfachter Einstieg in die Thematik gedacht und ersetzt keine individuelle steuerliche Beratung. Steuerliche Sachverhalte sind individuell. Bei konkreten Fragen zu Ihrem Etsy-Shop empfehle ich Ihnen, einen Steuerberater oder eine anderweitig steuerlich qualifizierte Fachkraft hinzuzuziehen.


Inhalt



Zuerst die gute Nachricht für viele Einsteiger


Wenn Sie Ihren Etsy-Shop gerade erst eröffnet haben oder Ihre Umsätze noch überschaubar sind, haben Sie möglicherweise gar keine Umsatzsteuerpflicht. Das kann an der sogenannten Kleinunternehmerregelung liegen. Dazu gleich mehr.


Aber: Auch wenn Sie aktuell keine Umsatzsteuer abführen, sollten Sie verstehen, wie das System funktioniert. Denn es kann sich schnell ändern.



Wann müssen Etsy-Verkäufer überhaupt Umsatzsteuer zahlen?


Grundsätzlich gilt in Deutschland: Wer gewerblich oder selbstständig Leistungen erbringt und Einnahmen erzielt, ist umsatzsteuerpflichtig. Das gilt auch für Etsy-Verkäufer. Egal ob haupt- oder nebenberuflich.


Was viele nicht wissen: Etsy ist eine gewerbliche Plattform. Selbst wenn Sie nur handgemachten Schmuck oder selbstgestrickte Schals verkaufen, kann das Finanzamt das als gewerbliche Tätigkeit einstufen.


Der Umsatzsteuersatz in Deutschland beträgt je nach Produkt entweder 19 % oder 7 %. Auf die meisten Produkte auf Etsy dürfte aber der reguläre Steuersatz von 19 % zutreffen.



Die Kleinunternehmerregelung: Ihr Freibrief?


Wenn Ihre Einnahmen im vergangenen Kalenderjahr unter 22.000 € lagen und im laufenden Jahr voraussichtlich unter 50.000 € bleiben, können Sie die Kleinunternehmerregelung (§19 UStG) nutzen. Das bedeutet:


  • Sie müssen keine Umsatzsteuer auf Ihren Rechnungen ausweisen

  • Sie müssen keine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben

  • Sie dürfen keine Vorsteuer geltend machen.


Klingt entspannt. Und das ist es in vielen Fällen auch. Aber – es gibt einen Haken, der oft übersehen wird: Wer viel Material oder Ausrüstung einkauft, zahlt darauf Mehrwertsteuer. Und diese kann als Kleinunternehmer nicht zurückgefordert werden. Das kann bei steigenden Einkäufen spürbar werden.


Da das Thema Kleinunternehmerregelung einiges an Details hat, werde ich es in einem eigenen Artikel ausführlich behandeln – inklusive der Frage, warum ein Wechsel in die Regelbesteuerung nicht nur sinnvoll, sondern essenziell ist.


Tipp: Mehr dazu finden Sie im Artikel Etsy mit Kleinunternehmerregelung: Lohnt sich das für Ihren Shop? auf diesem Blog.



Selbstständiger Etsy-Verkäufer prüft Steuerunterlagen am Schreibtisch
Kleinunternehmer oder Regelbesteuerung – ein Unterschied, der sich bemerkbar macht.


Steuerbar, steuerpflichtig – was ist der Unterschied?


Bevor wir auf die verschiedenen Verkäufe eingehen, kurz zwei Begriffe, die immer wieder auftauchen:


  • Steuerbar bedeutet: Der Umsatz fällt grundsätzlich unter das Umsatzsteuergesetz. Er ist also in diesem Rahmen der Umsatzsteuer unterworfen.

  • Steuerpflichtig bedeutet: Auf diesen Umsatz wird tatsächlich Umsatzsteuer erhoben – also entweder 19 % oder 7 %.


Nicht jeder steuerbare Umsatz ist auch steuerpflichtig. Es gibt steuerbare, aber steuerbefreite Umsätze – zum Beispiel bestimmte Ausfuhren ins Drittland (dazu gleich mehr). Und natürlich gibt es auch Umsätze, die gar nicht erst steuerbar sind (wenn etwa der Leistungsort nicht im Inland liegt).


Für den Alltag in Ihrem Etsy-Shop bedeutet das: Je nachdem, wohin Sie verkaufen, gelten unterschiedliche Regeln.



Etsy Verkäufe an Kunden in Deutschland


Das ist der einfachste Fall. Wenn Sie als Etsy-Verkäufer mit deutschem Sitz an Personen mit Wohnsitz in Deutschland verkaufen, gilt ganz normal die deutsche Umsatzsteuer. Also entweder 19 % oder 7 %, je nach Produkt.


Als Kleinunternehmer weisen Sie wie oben beschrieben keine Steuer aus. Als regelbesteuertes Unternehmen schreiben Sie hier eine Rechnung über den Bruttobetrag der Bestellung und führen die entsprechende Umsatzsteuer an das Finanzamt ab.



Etsy Verkäufe an Privatpersonen innerhalb der EU


Wenn Ihre Kunden in einem anderen EU-Land sitzen, wird es etwas komplexer. Hier kommt es vor allem darauf an, ob Sie an Privatpersonen oder an Unternehmen verkaufen. Nehmen wir zunächst an, Sie verkaufen an eine Privatperson und wenden die Kleinunternehmerregelung nicht an.


Bis zu einem Gesamtumsatz von 10.000 € jährlich mit EU-Ausländern gilt hier das sogenannte Ursprungslandprinzip. Sie versteuern also in Deutschland und weisen deutsche Umsatzsteuer aus.


Sobald Sie diese Grenze überschreiten, greift die sogenannte One-Stop-Shop-Regelung (OSS). Dabei melden und zahlen Sie die Umsatzsteuer für alle EU-Länder zentral über das deutsche Bundeszentralamt für Steuern. Achtung: Ab dem Überschreiten der 10.000 € Schwelle weisen Sie auf Ihren Rechnungen den jeweiligen Steuersatz des Empfängerlandes an. Dies ist dann auch die Steuer, die Sie an das BZSt bezahlen.


Etsy Verkäufe an Unternehmen in der EU (B2B)


Wenn Ihr Käufer ein Unternehmen mit gültiger Umsatzsteuer-ID ist, wird die Lieferung als sogenannte "innergemeinschaftliche Lieferung" behandelt. Dies bedeutet, Sie weisen auf Ihrer Rechnung keine Umsatzsteuer aus, da der Empfänger des Produkts für die entsprechende Versteuerung verantwortlich ist. Man spricht hier auch davon, dass die Steuerpflicht auf den Empfänger übergeht.


Wichtig: Wenn Sie an dieser Stelle als Kleinunternehmen auftreten, weisen Sie grundsätzlich keine Umsatzsteuer aus. Dies bedeutet, es kann auch nicht zu einer innergemeinschaftlichen Lieferung kommen.



Verkäufe auf Etsy ins Drittland: Beachten Sie die Ausfuhrnachweise!


Als Drittland gelten alle Staaten außerhalb der EU – also z. B. die USA, Großbritannien, Kanada, Australien oder die Schweiz. Und hier wird es für Etsy-Verkäufer besonders interessant: Lieferungen ins Drittland sind nach §4 Nr. 1a UStG grundsätzlich steuerfrei.


Das klingt zunächst nach einer angenehmen Vereinfachung. Doch es gibt einen wichtigen Haken:


Die Steuerfreiheit gilt nur, wenn Sie nachweisen können, dass die Ware das deutsche Steuergebiet tatsächlich verlassen hat. Ohne diesen Nachweis kann das Finanzamt nachträglich die Steuerfreiheit ablehnen. Dies würde dann dazu führen, dass Sie für diesen Umsatz nachträglich Umsatzsteuer abführen müssen.


Das Ganze nennt sich Ausfuhrnachweis und ist eines der Themen, die gerade bei Etsy-Verkäufern gerne übersehen werden.



Paket wird für internationalen Versand ins Drittland vorbereitet
Versand in die USA, Schweiz oder Kanada? Dann sollten Ausfuhrnachweise zur Routine werden.


Welche Dokumente gelten als Ausfuhrnachweise?


In der Praxis gibt es verschiedene Belege, die als Ausfuhrnachweise anerkannt werden können. Die gängigsten für Etsy-Verkäufer sind:


  • Internationaler Versandbeleg (z. B. von DHL, FedEx oder UPS): Dieser belegt, dass das Paket für ein Drittland aufgegeben wurde. Mit der Tracking-Nummer lässt sich auch später nachweisen, dass das Paket ins Drittland gelangte. Tipp: Machen Sie nach der Zustellung am besten einen Screenshot des Trackings, damit Sie auch noch in neun Jahren belegen können, dass das Paket ins Ausland gelangte.

  • Etsy-Bestelldaten: Die Bestellbestätigung von Etsy mit der Lieferadresse im Drittland kann als ergänzender Beleg dienen. Achtung: Als alleiniger Nachweis ist die Bestellbestätigung in der Regel nicht ausreichend!

  • Zollquittung oder Einfuhrdokument des Ziellandes: Sofern vorhanden, ist das ein besonders starker Nachweis. In der Praxis liegt dieser Etsy-Verkäufern aber selten vor.


Meine Empfehlung für die Praxis: Legen Sie eine einfache Ablagestruktur an. Für jeden Versand ins Drittland speichern Sie den Versandbeleg und den Trackingbeleg (inkl. Screenshot der Zustellung) innerhalb eines bestimmten Ordners ab. Das dauert wenige Sekunden und kann im Prüfungsfall viel Stress ersparen.


Zur Klarstellung: Über zollrechtliche Aspekte bei Drittlandslieferungen – also Zollanmeldungen, Zolltarife oder Einfuhrabgaben im Zielland – sprechen wir an dieser Stelle nicht. Das ist ein eigenes, umfangreiches Thema. Sofern dies für Sie interessant ist, lassen Sie mich dies aber gerne unten in den Kommentaren wissen.



Was macht Etsy mit dem sogenannten Sales-Tax?


Das ist ein Punkt, der für Verwirrung sorgen kann: In einigen Ländern, insbesondere in den USA, zieht Etsy automatisch den Sales-Tax ein. Dies ist praktisch die Umsatzsteuer in den USA. Während dieser Betrag allerdings nie an Sie ausgezahlt wird, und technisch als durchlaufender Posten betrachtet werden kann, hat er dennoch Einfluss auf Ihren Umsatz.


Shops, die viel in die USA verkaufen haben zudem noch weitere steuerliche Aspekte zu berücksichtigen. Stichwort hierfür wäre der persönliche Nexus, sowie die Freigrenzen der individuellen US-Bundesstaaten.



Fazit: Umsatzsteuer auf Etsy ist kein Monster – wenn man sie versteht


Die Umsatzsteuer ist eines dieser Themen, die auf den ersten Blick kompliziert wirken. Sobald Sie aber die Grundprinzipien verstehen, wird es deutlich übersichtlicher.


Ob Inland, EU oder Drittland: Für jeden Absatzmarkt gibt es klare Regeln. Und wer sich frühzeitig damit befasst, spart später Nerven, Zeit und im Zweifelsfall auch Geld.



Danke!


Ich möchte mich an dieser Stelle für Ihre Zeit bedanken und hoffe, dieser Artikel konnte etwas Licht zum Thema Umsatzsteuer auf Etsy ins Dunkel bringen. Steuerliche Themen müssen kein Buch mit sieben Siegeln sein. Dennoch lohnt sich bei konkreten Fragen immer der Gang zu einem Experten. Mit diesem Artikel haben Sie jetzt aber zumindest schonmal eine grobe Basis.


Sie haben Fragen oder Kritik? Dann freue ich mich über Ihr Feedback in der anonymen Kommentarsektion. Bis bald und bleiben Sie gesund!

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