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Etsy Shop eröffnen: Was Sie vor dem ersten Verkauf wissen müssen

  • Autorenbild: Johannes Riedl
    Johannes Riedl
  • 6. Juni
  • 7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 7. Juni

Sie möchten einen Etsy Shop eröffnen? Dann warten ein paar behördliche Schritte auf Sie. Keine Sorge: Es ist überschaubarer als es klingt. In diesem Artikel erkläre ich, was wirklich zu tun ist – einfach, verständlich und auch ohne Papierdeutsch.


Hinweis: Dieser Artikel ist als vereinfachter Einstieg in die Thematik gedacht und ersetzt keine individuelle steuerliche Beratung. Steuerliche Sachverhalte sind individuell. Bei konkreten Fragen zu Ihrem Etsy-Shop empfehle ich Ihnen, einen Steuerberater oder eine anderweitig steuerlich qualifizierte Fachkraft hinzuzuziehen.


Diese Artikelserie auf einen Blick:




Was Sie in diesem Artikel erwartet:


•        Etsy Shop eröffnen: Gewerbe anmelden – wirklich Pflicht?

•        Fragebogen zur steuerlichen Erfassung: Der erste Kontakt zum Finanzamt

•        Etsy Kleinunternehmer: Verlockend – aber mit Fallstricken

•        Umsatzsteuer: Kurz erklärt, richtig gemacht

•        IHK: Was hat das mit meinem Etsy Shop zu tun?

•        LUCID und Verpackungslizenz: Der Punkt, den fast alle vergessen

•        Etsy Shop anmelden: Die Checkliste für den Start

•        Fazit



Etsy Shop eröffnen: Gewerbe anmelden – wirklich Pflicht?


Ja. Wer auf Etsy regelmäßig Produkte verkauft, betreibt in Deutschland ein Gewerbe. Und das muss angemeldet werden. Egal ob haupt- oder nebenberuflich, egal ob die ersten Monate noch wenig Umsatz kommen. Die Grenze zwischen Hobby und Gewerbe liegt nicht beim Umsatz, sondern bei der Absicht: Sobald Sie dauerhaft und mit Gewinnabsicht verkaufen, sind Sie Gewerbetreibender.


Die gute Nachricht: Die Gewerbeanmeldung ist unkompliziert und günstig. Mit etwas Glück können Sie die Anmeldung sogar online durchführen. Das passende Formular heißt GewA 1 und die Kosten liegen je nach Gemeinde zwischen 20 und 40 Euro. Sofern Sie die Anmeldung nicht online durchführen können, steht der Gang zum Bürgerbüro bzw. Gewerbeamt an.


Ein wichtiger Tipp aus der Praxis: Formulieren Sie Ihre Tätigkeit lieber etwas breiter. Statt „Verkauf von handgenähten Taschen“ besser „Online-Handel mit handgefertigten Produkten und kreativen Waren“. Das gibt Ihnen Spielraum, wenn Ihr Sortiment später wächst – ohne dass Sie eine Anpassung vornehmen müssen.



Fragebogen zur steuerlichen Erfassung: Der erste Kontakt zum Finanzamt


Sobald das Gewerbeamt Ihre Anmeldung verarbeitet hat, meldet es dies an das Finanzamt weiter. Achtung: Während Sie früher kurz darauf automatisch den sogenannten Fragebogen zur steuerlichen Erfassung erhalten haben, müssen Sie diesen heutzutage teilweise aus freien Stücken heraus abgeben. Warten Sie also besser nicht darauf, sondern füllen das Formular proaktiv aus und übermitteln es digital an das zuständige Finanzamt.


Der Fragebogen ist wichtig, denn hier entscheiden Sie unter anderem, ob Sie die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen möchten und in welcher Höhe Sie eventuelle Vorauszahlungen leisten müssen.


Füllen Sie den Fragebogen sorgfältig aus! Wenn Sie sich unsicher sind, lohnt sich an dieser Stelle ein kurzes Gespräch mit einem Steuerberater oder adäquaten Fachmann.



Jemand hat die Hand auf 2 Steuerformularen mit einem Taschenrechner auf der Seite
Wer einen Etsy Shop eröffnen möchte, kommt an ein paar behördlichen Schritten nicht vorbei – aber sie sind einfacher als gedacht.


Etsy Kleinunternehmer: Verlockend – aber mit Fallstricken


Die Kleinunternehmerregelung klingt zunächst attraktiv: Kein Ausweisen von Umsatzsteuer, keine Voranmeldungen, weniger Bürokratie. Und tatsächlich ist sie für viele Einsteiger der erste Gedanke.


Aber aus der Praxis möchte ich hier klar sagen:

Die Kleinunternehmerregelung fällt einem sehr schnell auf die Füße, und ich rate außerordentlich davon ab!


Warum? Weil Etsy selbst eine ausländische Plattform ist und zudem keine deutsche Kleinunternehmerregelung kennt. Daher werden Sie wie ein sogenannter Regelbesteuerer behandelt. Dies führt nun in der Praxis zum sogenannten Reverse-Charge-Verfahren. Ein Verfahren, das es einem Unternehmen (wie Etsy) erlaubt, eine Rechnung (an Sie als Selbstständigen) ohne Steuer zu stellen, damit Sie diese in Ihrem Land versteuern. Diese Steuer kann dann gleichzeitig wieder als Vorsteuer abgezogen werden. Allerdings nur wenn Sie kein Kleinunternehmer sind. Denn als solcher schulden Sie zwar die Steuer auf den Rechnungsbetrag, aber können sich diese nicht mehr zurückholen.


Hinzu kommt: Wenn Ihr Umsatz überraschend schnell wächst und Sie die Grenze überschreiten, drohen Nachzahlungen. Und zwar rückwirkend. Das ist eine unnötige Belastung, die sich mit der richtigen Entscheidung von Anfang an vermeiden lässt.


Daher meine klare Empfehlung: Steigen Sie direkt in die Regelbesteuerung ein. Sie haben mehr Transparenz, mehr Möglichkeiten zum Vorsteuerabzug und schlafen ruhiger. Der zusätzliche Aufwand ist überschaubar, besonders wenn Sie von Anfang an sauber aufgestellt sind.


Mehr zur Kleinunternehmerregelung und warum ein Wechsel in die Regelbesteuerung so wichtig ist, lesen Sie in unserem ausführlichen Artikel: Etsy mit Kleinunternehmerregelung – Lohnt sich das?


Da das ganze Thema sehr trocken ist, habe ich Ihnen hier ein kurzes Video zum Thema Umsatzsteuer, Reverse-Charge und dem großen Nachteil bei Anwendung der Kleinunternehmerregelung aufgenommen:




Umsatzsteuer: Kurz erklärt, richtig gemacht


Die Umsatzsteuer ist ein Thema, das die meisten Etsy-Verkäufer irgendwann einholt. Seien Sie also am besten vorbereitet. Das Prinzip ist einfacher als es klingt:


Sie erheben auf Ihre Verkaufspreise Umsatzsteuer (auf die meisten Produkte in Deutschland 19 %), leiten diese weiter ans Finanzamt und können gleichzeitig die Umsatzsteuer, die Sie selbst bezahlt haben – etwa für Material – als Vorsteuer gegenrechnen. Entsteht hier eine positive Differenz, muss diese ans Finanzamt gezahlt werden. Entsteht eine negative Differenz (also wenn Sie mehr einkaufen als verkaufen) erhalten Sie die Differenz erstattet. Dies sollte nur nicht zu oft passieren, da sonst unangenehme Rückfragen kommen können.


Ein praktischer Tipp, den ich sehr empfehle: Legen Sie von jedem Zahlungseingang sofort den Umsatzsteueranteil auf ein separates Konto. So erleben Sie keine bösen Überraschungen, wenn die nächste Vorauszahlung fällig wird.


Wie Sie das in der Praxis einfach umsetzen, beschreiben wir ausführlich in unserem Artikel: Keine böse Überraschung mehr: Mit diesem Trick haben Sie die Umsatzsteuer stets im Griff


Und alles, was speziell die Umsatzsteuer auf Etsy betrifft – Inland, EU, Drittland – finden Sie hier: Etsy und Umsatzsteuer – Was Sie als Shop-Inhaber wirklich wissen müssen



IHK: Was hat das mit meinem Etsy Shop zu tun?


Sobald Sie ein Gewerbe anmelden, werden Sie automatisch Mitglied der Industrie- und Handelskammer – kurz IHK. Das passiert ohne Ihr Zutun und ohne, dass Sie etwas unterschreiben müssen.


Die IHK-Mitgliedschaft ist Pflicht für alle Gewerbetreibenden in Deutschland. Als Kleingewerbetreibender mit geringen Gewinnen sind Sie in den ersten Jahren jedoch meistens von den IHK-Beiträgen befreit. Erst ab einem bestimmten Gewerbeertrag werden Beiträge fällig.


Praktisch bedeutet das für Sie beim Start: Sie müssen nichts aktiv tun. Die IHK meldet sich bei Ihnen, sobald es relevant wird. Trotzdem gut zu wissen, dass diese Mitgliedschaft besteht – denn manchmal sorgt der erste Brief der IHK für unnötigen Schreck.


Hier noch ein persönlicher Hinweis: Während einige über den Beitrag der IHK schimpfen und diesen als "Zwangsabgabe" beschreiben, birgt er doch ziemlich viele Vorteile. Die IHK steht Ihnen bei Fragen rund um Ihr Geschäft zur Verfügung. Sie haben kostenlosen Zugang zu einer Vielzahl wertvoller Artikel und Blog-Beiträge. Zudem können Sie sich auch telefonisch an die IHK wenden oder deren Rechtsangebote nutzen.



LUCID und Verpackungslizenz: Der Punkt, den fast alle vergessen


Das ist der Bereich, bei dem die meisten Etsy-Einsteiger kalt erwischt werden – und der leider auch der kostspieligste sein kann, wenn man ihn ignoriert.


Wer in Deutschland gewerblich Waren versendet, ist gesetzlich verpflichtet, eine Verpackungslizenz zu erwerben und sich im LUCID-Verpackungsregister zu registrieren. LUCID ist die zentrale Datenbank der Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister.


Was bedeutet das konkret? Sie müssen die Verpackungsmaterialien, die Sie beim Versand verwenden – Kartons, Füllmaterial, Klebeband – bei einem zugelassenen dualen System lizenzieren. Die Kosten hängen vom Verpackungsgewicht ab und sind für kleine Shops in der Regel sehr überschaubar.


Was nicht überschaubar ist: die Konsequenzen, wenn Sie es nicht tun.


  • Etsy prüft die LUCID-Nummer mittlerweile automatisch und kann Ihren Shop bei fehlender Registrierung sperren.

  • Abmahnungen und Bußgelder von bis zu 200.000 Euro sind möglich.

  • Die Registrierung selbst ist kostenlos – nur die Lizenzierung der Verpackungsmengen kostet Geld.


Die Registrierung bei LUCID dauert wenige Minuten und ist unter www.lucid.de möglich. Informationen speziell für Etsy-Verkäufer finden Sie auch im Etsy-Verkäuferhandbuch: Etsy Verkäuferhandbuch – Verpackungslizenz (https://www.etsy.com/at/seller-handbook/article/501392119812)


Mein Rat: Erledigen Sie die LUCID-Registrierung noch bevor Ihr Shop online geht. Es ist einer der wenigen Punkte, bei dem später nachzuholen wirklich teuer werden kann.



Jemand verpackt eine Flasche in einen Versandkarton
Die LUCID-Registrierung wird von vielen übersehen – dabei ist sie Pflicht und kann bei Verstößen teuer werden.


Etsy Shop anmelden: Die Checkliste für den Start


Bevor Sie Ihren Etsy Shop eröffnen, sollten diese Punkte erledigt oder zumindest angedacht sein:


  1. Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt oder Rathaus Ihrer Gemeinde (20–40 Euro, auch oft online möglich)

  2. Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausfüllen und ans Finanzamt übermitteln – hier die Entscheidung zur Regelbesteuerung treffen

  3. Steuernummer / USt.-ID direkt beim Ausfüllen des Fragebogens beim Finanzamt beantragen und in Ihrem Etsy-Konto hinterlegen

  4. LUCID-Registrierung unter www.lucid.de abschließen und Verpackungslizenz erwerben

  5. Etsy Shop erstellen und alle Pflichtangaben ergänzen: vollständiges Impressum, AGB, Widerrufsbelehrung

  6. Separate Bankkonten einrichten: ein Geschäftskonto für den laufenden Betrieb und ein zusätzliches Konto für die Umsatzsteuer


Falls Sie sich bei einem dieser Schritte unsicher sind oder einfach sichergehen möchten, dass alles von Anfang an stimmt: Wir begleiten Sie gerne durch die Gründungsphase – von den ersten behördlichen Schritten bis hin zur Positionierung Ihres Shops.



Fazit: Wer seinen Etsy Shop richtig eröffnet, spart sich später viel Ärger


Einen Etsy Shop zu eröffnen ist einfacher als viele denken – aber nur, wenn man die Grundlagen kennt. Gewerbeanmeldung, Regelbesteuerung, LUCID – das klingt trocken, ist aber der Unterschied zwischen einem sauberen Start und späteren Nachzahlungen, Abmahnungen oder gesperrten Shops.


Die gute Nachricht: All das ist machbar. Es braucht etwas Vorbereitung – aber keine Angst. Wer sich einmal damit befasst hat, kann sich danach voll auf das konzentrieren, was wirklich Spaß macht: Verkaufen.


In Teil 2 dieser Reihe geht es genau darum: Was braucht ein Etsy Shop, damit er wirklich läuft? Positionierung, Verkaufspsychologie und Vertrauen – die Dinge, die über Erfolg oder Mittelmaß entscheiden. Sie finden Teil 2 hier: Verkaufen auf Etsy – Was wirklich über Erfolg oder Mittelmaß entscheidet


P. S. Kein Behördengang, keine Steuererklärung und kein Formular der Welt kann verhindern, dass Ihr Shop erfolgreich wird – wenn das Fundament stimmt. Und beim Fundament helfen wir Ihnen gerne. Jetzt kostenfreies Erstgespräch buchen



Danke!


Ich möchte mich herzlich für Ihre Zeit bedanken und hoffe, dieser Artikel hat Ihnen einen klaren Überblick über alles gegeben, was beim Etsy Shop eröffnen zu beachten ist. Wenn Sie Fragen haben oder etwas unklar geblieben ist: Nutzen Sie gerne die anonyme Kommentarsektion. Bis bald und bleiben Sie gesund!



Über den Autor

RIEDL CONSULTING wird geführt von Johannes Riedl – einem gelernten Kaufmann und Unternehmer, der seine Ansätze nicht aus Lehrbüchern, sondern aus der eigenen Praxis entwickelt hat.


Als Gründer von JRM Studios und BrightVox Studios (zwei international tätigen Studios in der Film- und Musikbranche) hat er innerhalb weniger Jahre über 600 Kunden weltweit gewonnen. Was dabei den Unterschied gemacht hat: konsequente Positionierung, angewandte Verkaufspsychologie und ein klares Verständnis dafür, wie Vertrauen entsteht.


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