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Die 5 größten Zeitfresser in kleinen Unternehmen – und wie Sie sie loswerden

Autorenbild: Johannes Riedl
Johannes Riedl
vor 4 Tagen
6 Min. Lesezeit

„Wo ist die Woche schon wieder hin?“ Wenn Sie sich diese Frage regelmäßig stellen, sind Sie in bester Gesellschaft. In diesem Artikel zeige ich Ihnen, welche 5 Zeitfresser Selbstständige und kleine Betriebe nachweislich am meisten kosten – belegt mit Zahlen aus Studien. Und natürlich auch, wie Sie sich diese Zeit Stück für Stück zurückholen.



Kennen Sie dieses Gefühl? Sie waren den ganzen Tag beschäftigt, das Telefon stand nicht still, das Postfach war voll und trotzdem blieb das Wesentliche liegen. Das Problem sind dabei selten die Kernaufgaben. Es ist alles, was sich drumherum ansammelt.


Genau dieses „Drumherum“ schauen wir uns heute an. Nicht mit Bauchgefühl, sondern mit konkreten Zahlen. Denn wer weiß, wo die Zeit tatsächlich versickert, kann gezielt gegensteuern.



Zeitfresser Nr. 1: Bürokratie und Verwaltung


Fangen wir mit dem größten Brocken an. Laut dem KfW-Mittelstandspanel 2024 wenden Solo-Selbstständige durchschnittlich 8,7 % ihrer Arbeitszeit für bürokratische Pflichten auf. Das entspricht rund 11 Arbeitsstunden pro Monat. Kleinstunternehmen mit bis zu vier Mitarbeitern kommen sogar auf etwa 18 Stunden monatlich. Wohlgemerkt: Es geht hier nur um gesetzliche Pflichten wie Steuern, Dokumentation und Rechnungswesen. Die „normale“ Büroarbeit kommt noch obendrauf.


Besonders bemerkenswert: Je kleiner der Betrieb, desto höher die relative Belastung. Der Grund ist simpel. Als Solo-Selbstständiger erledigen Sie alles selbst und können den Aufwand auf niemanden verteilen.


Was Sie dagegen tun können:


  • Nutzen Sie eine moderne Programme um Belege, Rechnungen, und andere geschäftskritische Dokumente weitestgehend automatisch zu speichern. Gute Lösungen gibt es bereits für wenige Euro im Monat und diese nehmen Ihnen einen erheblichen Teil der Tipparbeit ab.

  • Planen Sie feste Verwaltungs-Slots ein. Zweimal pro Woche 60 Minuten sind deutlich entspannter als das große Chaos am Monatsende.

  • Legen Sie Belege sofort digital ab, wenn sie entstehen. Nicht „irgendwann später“. Denn „später“ ist bekanntlich der beste Freund des Papierstapels.



Stapel aus Papieren und Aktenordnern auf einem Schreibtisch als Symbol für Bürokratieaufwand in kleinen Unternehmen
Rund 11 Stunden pro Monat wenden Solo-Selbstständige laut KfW allein für bürokratische Pflichten auf.


Zeitfresser Nr. 2: Das E-Mail-Postfach


Laut einer vielzitierten Analyse des McKinsey Global Institute verbringen Berufstätige rund 28 % ihrer Arbeitswoche mit dem Lesen und Beantworten von E-Mails. Zugegeben: Diese Zahl stammt bereits aus dem Jahr 2012. Aber Hand aufs Herz glauben Sie, dass es seitdem weniger geworden ist?


Eher im Gegenteil. Der Work Trend Index 2025 von Microsoft zeigt, dass Beschäftigte im Schnitt alle 2 Minuten durch eine E-Mail, ein Meeting oder eine Benachrichtigung unterbrochen werden. Und 40 % der Befragten prüfen ihre E-Mails bereits vor 6 Uhr morgens. Klingt nach einem gesunden Feierabend? Eben.


Was Sie dagegen tun können:


  • Legen Sie 2-3 feste E-Mail-Zeitfenster pro Tag fest – und lassen Sie das Postfach dazwischen geschlossen. Die Welt geht davon nicht unter. Versprochen.

  • Richten Sie sich Fokus-Zeiten ein, und schalten Sie die Push-Benachrichtigungen innerhalb dieser Zeit konsequent ab. Jedes „Pling“ reißt Sie aus der Konzentration.

  • Erstellen Sie Textbausteine für wiederkehrende Anfragen. Warum jede Terminbestätigung neu tippen, wenn eine Vorlage in 10 Sekunden erledigt ist?



Zeitfresser Nr. 3: Ständige Unterbrechungen


Dieser Punkt ist der heimliche Verstärker aller anderen. Denn eine Unterbrechung kostet nicht nur die Minute, die sie dauert. Laut der Forscherin Gloria Mark von der University of California dauert es im Schnitt rund 23 Minuten, bis wir nach einer Unterbrechung wieder voll in der ursprünglichen Aufgabe angekommen sind.


Die Wissenschaftlerin Sophie Leroy hat dafür 2009 den Begriff „Attention Residue“ geprägt: Wenn wir zwischen Aufgaben springen, bleibt ein Teil unserer Aufmerksamkeit an der vorherigen Aufgabe hängen. Wir sind körperlich bei Aufgabe B, aber der Kopf hängt noch bei Aufgabe A.


Und jetzt kommt der unbequeme Teil: Laut Gloria Marks Forschung verursachen wir knapp die Hälfte aller Unterbrechungen selbst. Das kurze „Ich schau nur mal eben...“ kennt vermutlich jeder von uns.


Was Sie dagegen tun können:


  • Blocken Sie sich täglich mindestens einen ungestörten Fokusblock von 60-90 Minuten. Ohne Postfach, ohne Telefon, ohne „nur mal eben“.

  • Bündeln Sie gleichartige Aufgaben. Alle Telefonate am Stück, alle Rechnungen am Stück. Jeder Themenwechsel kostet Anlaufzeit.

  • Legen Sie das Smartphone außer Sichtweite. Studien zeigen: Allein die sichtbare Anwesenheit des Handys senkt unsere Konzentrationsfähigkeit.


Übrigens: Wie Sie Ihren Tag so strukturieren, dass Sie abends wirklich etwas geschafft haben, lesen Sie in meinem Artikel über die 1-2 großen Baustellen pro Tag. Schauen Sie gerne einmal rein.



Smartphone mit Benachrichtigungen neben einem Laptop als Symbol für ständige Unterbrechungen bei der Arbeit
Jede Unterbrechung kostet mehr als nur die Minute selbst: Rund 23 Minuten dauert es laut Forschung, bis die volle Konzentration zurück ist.


Zeitfresser Nr. 4: Manuelle Routineaufgaben


Daten von A nach B übertragen. Anfragen in eine Tabelle eintragen. Bestätigungsmails schreiben. Rechnungen ablegen. Einzeln sind das Kleinigkeiten – in Summe ein echtes Zeitloch.


In einer Befragung des Softwareanbieters UiPath aus dem Jahr 2021 gaben 58 % der deutschen Büroangestellten an, dass ihre Arbeit hauptsächlich aus sich wiederholenden Aufgaben besteht. Im Schnitt gehen demnach rund 3,5 Stunden pro Woche für Tätigkeiten drauf, die sich automatisieren ließen. Das sind, vorsichtig gerechnet, fast zwei volle Arbeitstage pro Monat.


Was Sie dagegen tun können:


  • Notieren Sie eine Woche lang jede Aufgabe, die Sie mehr als dreimal in identischer Form erledigen. Diese Liste ist Ihre Automatisierungs-Landkarte.

  • Nutzen Sie Tools wie Zapier oder Microsoft Power Automate. Beide funktionieren ohne Programmierkenntnisse und sind im Einstieg kostenlos.

  • Starten Sie mit einer einzigen Automatisierung, zum Beispiel der automatischen Ablage von Rechnungen aus dem Postfach.


Wie genau das funktioniert, habe ich in einem eigenen Artikel Schritt für Schritt beschrieben: Prozessoptimierung für kleine Unternehmen – 2 kostenlose Tools, die Ihnen echte Zeit sparen.


Zeitfresser Nr. 5: Die Suche nach Dokumenten


„Wo war noch gleich diese Rechnung?“ Wenn Ihnen dieser Satz bekannt vorkommt, wird Sie folgende Zahl vermutlich wenig überraschen: Eine Statista-Befragung im Auftrag von KYOCERA aus dem Jahr 2018 kam zu dem Ergebnis, dass in deutschen Büros täglich rund zwei Stunden für das Suchen und Ablegen von Dokumenten aufgewendet werden. Jeder zweite Befragte gab an, mehr als eine Stunde pro Tag damit zu verbringen. In der Buchhaltung war der Wert sogar noch deutlich höher.


Das eigentliche Problem dahinter: verstreute Ablageorte. Ein Teil liegt im E-Mail-Postfach, ein Teil auf dem Desktop, ein Teil im Papierordner. Und ein anderer Teil? Weiß niemand so genau.


Was Sie dagegen tun können:


  • Definieren Sie einen einzigen zentralen Ablageort für Geschäftsdokumente. Nicht drei. Einen.

  • Legen Sie eine einfache Namenskonvention fest, zum Beispiel „2026-07_Rechnung_Kundenname“. Klingt banal, spart aber jeden Tag Suchzeit.

  • Scannen oder fotografieren Sie Papierbelege direkt bei Erhalt. Papier, das nie in den Stapel wandert, muss später auch nicht gesucht werden.



Ein ehrlicher Hinweis zu den Zahlen


Der Transparenz halber: Einige der genannten Studien stammen von Softwareanbietern, die naturgemäß ein Interesse daran haben, dass Zeitprobleme groß erscheinen. Andere befragten vor allem Angestellte in größeren Unternehmen, nicht speziell Selbstständige.


Warum ich die Zahlen trotzdem nenne? Weil die Kernaussage sich durch alle Quellen zieht. Von der unabhängigen KfW-Studie bis zur Anbieterbefragung: Ein erheblicher Teil unserer Arbeitszeit fließt nicht in die eigentliche Arbeit. Und bei Selbstständigen dürfte der Effekt eher noch größer sein. Denn im Gegensatz zum Angestellten können Sie diese Aufgaben an niemanden abgeben.



Fazit: Sie müssen nicht alle fünf auf einmal besiegen


Rechnen wir kurz zusammen: Bürokratie, E-Mails, Unterbrechungen, Routineaufgaben und Dokumentensuche. Selbst bei konservativer Schätzung kommt da schnell ein kompletter Arbeitstag pro Woche zusammen, der nicht in Ihr Kerngeschäft fließt.


Die gute Nachricht: Sie müssen nicht alle fünf Zeitfresser gleichzeitig angehen. Suchen Sie sich den einen aus, der Sie am meisten nervt und setzen Sie dort eine einzige der genannten Maßnahmen um. Schon eine gewonnene Stunde pro Woche sind über 50 Stunden im Jahr. Das ist mehr als eine komplette Arbeitswoche. Geschenkt.


P. S. Sie ahnen, dass in Ihrem Betrieb Zeit versickert, wissen aber nicht genau, wo? Genau dafür haben wir den Zeitfresser-Check entwickelt. Darin schauen wir uns Ihre Abläufe gemeinsam an und finden heraus, wo die größten Hebel liegen. Ohne Fachchinesisch und ohne versteckte Kosten.



DANKE!


Ich möchte mich an dieser Stelle für Ihre Zeit bedanken und hoffe, dieser Artikel konnte Ihnen zeigen, wo im Alltag die meiste Zeit verloren geht – und dass Sie dem nicht machtlos gegenüberstehen. Fangen Sie klein an. Es lohnt sich.

Sie haben Fragen oder Kritik? Dann würde ich mich über Ihr Feedback freuen! Nutzen Sie hierfür gerne die anonyme Kommentarsektion. Bis bald und bleiben Sie gesund!

 

Dieser Beitrag stammt aus der Reihe Tipps für Unternehmer.



Über den Autor


Johannes Riedl

Johannes Riedl ist Gründer von RIEDL CONSULTING und unterstützt Selbstständige und kleine Unternehmen bei Themen rund um IT, Prozesse, Sichtbarkeit und Finanzen.


Unternehmertum kennt er dabei nicht aus dem Lehrbuch: Neben seiner langjährigen Tätigkeit als Filialleiter im IT-Umfeld baute er im Nebenberuf zwei eigene Unternehmen im Bereich Musik- und Audioproduktion auf – mit Kunden in über 20 Ländern.


Mehr über den Hintergrund von RIEDL CONSULTING erfahren Sie auf unserer Über-uns-Seite.

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