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Der Businessplan: Warum er mehr ist als ein Dokument für die Bank

  • Autorenbild: Johannes Riedl
    Johannes Riedl
  • 21. Juli
  • 5 Min. Lesezeit

Die meisten Selbstständigen schreiben ihren Businessplan genau einmal: für die Bank oder das Arbeitsamt. Danach verschwindet er in der Schublade. Dabei steckt in diesem Dokument weit mehr. Richtig geschrieben, ist er Ihr Fahrplan für die Selbstständigkeit – und Ihr Anker, wenn Sie Jahre später einmal den Faden verlieren.



Hand aufs Herz: Wann haben Sie Ihren Businessplan zuletzt gelesen?


Wenn Sie jetzt überlegen müssen, geht es Ihnen wie den meisten. Der Businessplan gilt als notwendiges Übel. Man schreibt ihn, weil die Bank ihn verlangt. Oder das Arbeitsamt für den Gründungszuschuss. Danach hat er seine Pflicht erfüllt und wird nie wieder angefasst.


Genau hier liegt aus meiner Sicht ein großes Missverständnis. Denn ein guter Businessplan ist kein Formular. Er ist ein Denkprozess. Und das Ergebnis dieses Denkprozesses begleitet Sie – wenn Sie es zulassen – durch Ihre gesamte Selbstständigkeit.



Das eigentliche Produkt ist nicht das Dokument. Es sind Ihre Gedanken.


Wer einen Businessplan ernsthaft schreibt, muss sich Fragen stellen, die im Alltag gerne untergehen:


  • Was genau biete ich an – und was bewusst nicht?

  • Wer ist meine Zielgruppe? Und wie viele Menschen gehören überhaupt dazu?

  • Wie erfahren diese Menschen, dass es mich gibt?

  • Was unterscheidet mich wirklich von der Konkurrenz?


Das klingt banal. Ist es aber nicht. Denn wer diese Fragen einmal sauber durchdacht hat, kann später jede geschäftliche Entscheidung deutlich schneller treffen. Kommt eine neue Idee, ein neues Angebot oder eine Anfrage, die nicht so richtig passt, brauchen Sie keine tagelange Grübelei. Sie fragen sich nur: Für wen ist das? Passt es zu meinem Plan? Und wo bekomme ich es verkauft?


Wenn Sie diese Antworten aus dem Kopf geben können, haben Sie Ihren Businessplan verstanden. Wenn nicht, wird jede neue Idee zum Glücksspiel.



Ihr Businessplan ist ein Manifest – und irgendwann Ihr Anker


Es gibt noch einen zweiten Aspekt, über den kaum jemand spricht: die psychologische Wirkung.


Die Selbstständigkeit hat Phasen, in denen alles leicht von der Hand geht. Und sie hat Phasen, in denen Sie sich fragen, warum Sie sich das alles überhaupt antun. Zu viele Baustellen, zu wenig Zeit, und das ursprüngliche Ziel? Irgendwo im Nebel verschwunden.


Genau in diesen Momenten ist ein ehrlich geschriebener Businessplan Gold wert. Denn er ist eine Momentaufnahme Ihrer ursprünglichen Idee. Schwarz auf weiß steht dort, warum Sie gestartet sind, was Sie erreichen wollten und für wen Sie das Ganze eigentlich tun.


Ein Blick hinein wirkt dann wie ein Gespräch mit Ihrem früheren Ich. Manchmal stellen Sie fest: Ich bin vom Weg abgekommen – Zeit, zurück zu den Wurzeln zu finden. Und manchmal stellen Sie fest: Ich habe mich weiterentwickelt, und der Plan muss nachziehen. Beides ist wertvoll. Beides geht nur, wenn der Plan existiert und ehrlich geschrieben wurde.



Kompass auf einer Landkarte als Symbol für den Businessplan als Fahrplan
Ein guter Businessplan wirkt wie ein Kompass: Er zeigt Ihnen auch Jahre später noch, wohin die Reise eigentlich gehen sollte.


Ein Beispiel aus der Praxis: Floskeln erkennt jeder Leser sofort


Vor Kurzem durfte ich einen Gründer bei der Überarbeitung seines Businessplans begleiten. Im ersten Entwurf stand dort unter anderem, er verfüge über eine „weltweite digitale Präsenz“ und seine größte Stärke sei die „tiefe Leidenschaft“ für sein Handwerk.


Klingt erst einmal gut, oder? Das Problem: Es sagt nichts aus.


Eine „weltweite digitale Präsenz“ bedeutet in der Realität oft nur: Es gibt ein Instagram-Profil, das theoretisch jeder sehen könnte. Und Leidenschaft für das eigene Handwerk? Die erwarte ich von jedem, der sich selbstständig macht. Das ist keine Stärke, das ist die Grundvoraussetzung.


Also haben wir umgedacht. Statt Floskeln kamen konkrete Branchenkenntnisse in den Plan: Wie funktionieren die Vergütungssysteme seiner Branche? Über welche Kanäle erreicht er seine Zielgruppe wirklich? Wie groß ist diese Zielgruppe überhaupt – in Zahlen? Und statt „Leidenschaft“ stand am Ende sein tatsächliches Alleinstellungsmerkmal dort: eine Kombination aus zwei Fachrichtungen, die in seinem Markt so kaum jemand anbietet.


Der Unterschied ist gewaltig. Vorher las sich der Plan wie ein Schulaufsatz. Danach wie das Konzept eines Menschen, der weiß, was er tut. Und genau das spürt jeder Leser – ob Bankberater, Fördermittelgeber oder Sie selbst in drei Jahren.



Der wichtigste Teil? Die Vermarktung.


Falls Sie Ihren Businessplan gerade schreiben oder überarbeiten, gebe ich Ihnen einen Ratschlag mit, der vielen nicht gefällt: Das Marketing-Kapitel sollte das ausführlichste von allen sein.


Warum? Stellen Sie sich vor, Sie erfinden das beste Produkt der Welt – aber niemand erfährt davon. Dann existiert es für den Markt schlicht nicht. Sie können die genialste Dienstleistung anbieten: Ohne einen konkreten Plan, wie Ihre Zielgruppe davon erfährt, bleibt sie ein gut gehütetes Geheimnis.


„Die Vermarktung erfolgt über die eigene Webseite“ reicht dabei nicht. Denn am Anfang kennt Sie niemand – also besucht auch niemand Ihre Webseite. Schreiben Sie stattdessen konkret auf: Welche Kanäle nutzen Sie? Welche Kooperationen streben Sie an? Wo hält sich Ihre Zielgruppe tatsächlich auf? Und was kostet das alles?


Wer sich diese Gedanken vor dem Start macht, erspart sich später das frustrierende Rätselraten, warum „irgendwie nichts funktioniert“.



Selbstständige plant ihre Marketingstrategie mit Haftnotizen an einer Wand
Das Marketing-Kapitel verdient die meiste Aufmerksamkeit: Ohne einen Plan für die Vermarktung bleibt selbst das beste Angebot unsichtbar.


Ehrlichkeit schlägt Schönfärberei – auch bei den Schwächen


Ein letzter Punkt, der einen guten Businessplan von einem schlechten unterscheidet: der Umgang mit Nachteilen.


In vielen Plänen liest man Sätze wie „Es bestehen keinerlei Standortnachteile“. Und jeder erfahrene Leser denkt sich sofort: Das kann nicht stimmen. Jedes Geschäftsmodell hat Schwachstellen. Wer keine benennt, hat entweder nicht nachgedacht – oder er beschönigt. Beides schafft kein Vertrauen.


Deutlich stärker wirkt es, wenn Sie einen Nachteil offen benennen und dann erklären, wie Sie damit umgehen. Zum Beispiel: „Für Laufkundschaft ist mein Standort ungeeignet. Da mein Angebot jedoch vollständig digital erbracht wird, spielt der Standort für mein Kerngeschäft keine Rolle.“


Sehen Sie den Unterschied? Der Nachteil ist derselbe. Aber die zweite Version zeigt: Hier hat jemand seine Situation realistisch durchdacht. Und genau dieses Vertrauen wollen Sie erzeugen – beim Leser und bei sich selbst.



Fazit: Schreiben Sie den Plan für sich – nicht für die Bank


Ein Businessplan, der nur für die Bank geschrieben wurde, ist nach der Zusage wertlos.


Ein Businessplan, der ehrlich für Sie selbst geschrieben wurde, begleitet Sie jahrelang: als Fahrplan für Ihre Entscheidungen, als Prüfstein für neue Ideen und als Anker, wenn Sie den ursprünglichen Sinn Ihrer Selbstständigkeit aus den Augen verlieren.


Falls Sie wissen möchten, wie Sie einen Businessplan Schritt für Schritt aufbauen, empfehle ich Ihnen ergänzend meinen Artikel zur Businessplan-Erstellung hier auf dem Blog. Der heutige Beitrag war das Warum – dort finden Sie das Wie.


P. S. Sie sitzen gerade an Ihrem Businessplan und kommen nicht weiter? Oder Ihr bestehender Plan fühlt sich eher nach Pflichtübung als nach Fahrplan an? Dann lassen Sie uns gerne darüber sprechen. Gemeinsam machen wir aus dem Dokument für die Schublade einen Plan, der Ihnen wirklich weiterhilft.



DANKE!


Ich möchte mich an dieser Stelle für Ihre Zeit bedanken und hoffe, dieser Artikel konnte Ihnen eine neue Sichtweise auf den Businessplan geben. Vielleicht holen Sie Ihren eigenen ja heute Abend noch einmal aus der Schublade. Sie werden überrascht sein, was Ihr früheres Ich Ihnen zu sagen hat.


Sie haben Fragen oder Kritik? Dann würde ich mich über Ihr Feedback freuen! Nutzen Sie hierfür gerne die anonyme Kommentarsektion. Bis bald und bleiben Sie gesund!


Dieser Beitrag stammt aus der Reihe Tipps für Unternehmer und zeigt, warum ein Businessplan weit mehr ist als ein Dokument für die Bank.



Über den Autor


Johannes Riedl

Johannes Riedl ist Gründer von RIEDL CONSULTING und unterstützt Selbstständige und kleine Unternehmen bei Themen rund um IT, Prozesse, Sichtbarkeit und Finanzen.


Unternehmertum kennt er dabei nicht aus dem Lehrbuch: Neben seiner langjährigen Tätigkeit als Filialleiter im IT-Umfeld baute er im Nebenberuf zwei eigene Unternehmen im Bereich Musik- und Audioproduktion auf – mit Kunden in über 20 Ländern.


Mehr über den Hintergrund von RIEDL CONSULTING erfahren Sie auf unserer Über-uns-Seite.

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